Schiri-Mangel – gute Zeiten für Nostalgiker

Kleine Ausführung von K.-H. Arnold, Pressewart des Bezirk Bodensees. Auch der SVD sucht immer wieder Nachwuchs im Bereich der Schiedsrichter. Auch Damen und Herren des „älteren“ Semesters sind herzlich eingeladen sich beim anstehenden Schiedsrichter Lehrgang anzumelden. Falls jemand Interesse hat bitte einfach bei einem Vorstandsmitglied des SVD melden.

Neulingslehrgang ab 18. Januar kann Nöte nur lindern

Der 18. Januar 2019 ist sowohl für die Fußballvereine des Bezirks Bodensee als auch für die Schiedsrichtergilde ein ganz wichtiges Datum. Es ist der Tag, an dem im Stockacher Nellenburg-Gymnasium um 19.30 Uhr der Neulingslehrgang „angepfiffen“ wird und die Richtung weist, inwieweit der Spielleiter auch künftig noch „vom Verband geschickt“ werden wird. Sicher ist aber jetzt schon: Der Lehrgang wird bestenfalls helfen, die ärgsten Nöte etwas abzumildern, eine entscheidende Verbesserung der Situation ist nicht zu erwarten. Die Vereine müssen sich darauf einstellen, dass nach der Winterpause vermehrt Spiele ohne amtlichen Schiedsrichter stattfinden werden. In welchem Umfang, das ist auch abhängig vom Erfolg des Lehrgangs.

Gemeinhin erinnert sich jeder daran, dass früher ohnehin alles viel besser war als heutzutage. Fast schon paradiesisch zu nennende Zustände herrschten überall, wenigstens in der Erinnerung. Wer nun also das „Glück“ hat, seit gut einem halben Jahrhundert ehrenamtlicher Mitarbeiter in einem Fußballclub zu sein, der darf sich freuen, denn zumindest bei den Schiedsrichtern kehren „die guten alten Zeiten“ zusehends zurück, nicht aber die Schiedsrichter. Immer häufiger werden die Vereine die Spiele ihrer Mannschaften wieder selbst leiten müssen. Damals mussten vor allem die Jugendleiter am Samstagmorgen lange suchen, bis sie unter den Eltern und Betreuern Willigen fanden, die als Schiedsrichter zu amtieren bereit waren. Und man weiß auch heute noch bei den Betroffenen, auf welchen Plätzen es seinerzeit als Auswärtsclub fast unmöglich war, so zum Erfolg zu kommen, wenn der vereinseigene Spielleiter „zu stark“ war…

Der Mangel an ausgebildeten Unparteiischen nimmt nicht nur am Bodensee Formen an, die mit dramatisch recht gut beschrieben sind. „Schuld“ zu verteilen für diesen Umstand, das erscheint genauso unnötig wie unmöglich, denn die Zahlen sprechen für sich. Standen dem SR-Einteiler vor einigen Jahren noch fast dreihundert Referees zur Verfügung, wäre es heute schon über 200 regelmäßig pfeifende Schiedsrichter froh. Durch eine Vielzahl sich auch noch mit anderen Aktivitäten der Unparteiischen überschneidenden Termine ist die Zahl der zu besetzenden Spiele höher als die Zahl der dafür vorhandenen Schiedsrichter. Natürlich haben auch die Vereine mit den zurückgehenden Mitgliederzahlen zu kämpfen, aber dies ist nicht allein das Problem. Würden die Vereine -Offizielle, Spieler und auch Zuschauer- mit ihren Spielern so umgehen, wie es heutzutage gegenüber dem Schiedsrichter immer häufiger der Fall ist, dann gäbe es schon längst keine Mannschaften mehr. Und wenn dann der Vorstand eines Kreisliga B-Vereins sich gar noch zu der Meinung versteigert, die Schiedsrichter seien wegen einiger Vorkommnisse „extrem negativ“ gegen seinen Verein eingestellt, dann muss schon die Einschätzung eigener Wichtigkeit hinterfragt werden. Tatsache ist allerdings, dass es Vereine gibt, bei denen Schiedsrichter inzwischen die Übernahme von Spielleitungen ablehnen.

Interessant mag in diesem Zusammenhang die Feststellung des DFB in der SR-Zeitung sein, dass im Spieljahr 2017/2018 bei insgesamt über 1,5 Millionen ausgetragenen Amateurspielen deutschlandweit lediglich 2.866 Schiedsrichter von Gewalt oder Diskriminierung betroffen waren. Dazu kommt aber sicherlich auch noch eine kräftige Dunkelziffer nicht gemeldeter Vorfälle. Dass jeder einzelne Fall einer zuviel ist, muss nicht ausdrücklich erwähnt werden. Sicher ist aber genauso, dass das Schiedsrichterwesen eine verantwortungsvolle Aufgabe ist, deren Bewältigung den Lehrgangsteilnehmern auch im täglichen Leben helfen kann. Führungsqualitäten werden gefördert und gleichzeitig kameradschaftliche Teamarbeit gefordert. Teilnehmer müssen in der Regel spätestens im April 2019 das 14. Lebensjahr vollenden, über Ausnahmen kann im Einzelfall geredet werden.

Der Schiedsrichterlehrgang dauert vom 18. Januar bis 2. Februar 2019. Dreimal am Freitagabend und dreimal Samstag ganztags werden die Teilnehmer vom Lehrstab unter Leitung von Bezirkslehrwart Dario Litterst ausgebildet. Die Schiedsrichtervereinigung Bodensee führt den Lehrgang für Schiedsrichteranwärter wiederum im Nellenburg-Gymnasium Stockach durch.

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